Lieblingsspielzeug

Hab ich mich tatsächlich dazu herabgelassen, in meinen HEiKo (HurenEinsatzKoffer) ein Buch mit für die lange Fahrt zum Frondienst zu nehmen. Einer vom stetig wachsenden SUB (Stapel ungelesener Bücher), um zur Abwechslung mal wieder  das tatsächlich und reale geschriebene Wort in analoger Form den Augen zuzuführen.

Zwangsweise wohlgemerkt. Nicht ganz so freiwillig. Denn unverhofft passiert es, im Zeitrahmen erwartet aber nicht ausgerechnet an diesem Tag, doch nicht unbedingt heute (!), dass das Lieblingsspielzeug unversehens den Geist aufgiuubt. Ein kaputtes Smartphone! Hilfe, was mache ich nur? Wie soll ich nur meinen digitalen Süchten fröhnen, wenn das Hilfsmittel dazu nicht mehr mitspielen will?

Elektronische Spielzeuge werden heutzutage ja nicht mehr hergestellt, um lange über die Garantiedauer hinaus zu funktionieren. Das ist nicht gut für den Umsatz. Und die Märkte brauchen doch diesen. Leute, kauft mehr Handys. Aber wie ich es als Verbraucher überhaupt wagen kann, erst nach Ablauf von Garantie und „Leasingvertrag“, wie ich diese Ratenzahlung mit vorhersehbarer Abnutzungsdauer gern nenne, mir ein neues Handy zu besorgen. Nicht gut für die Wirtschaft, gar nicht gut. Schließlich hängen daran viele Arbeitsplätze – in China und Taiwan. Und die Jungs dort, die haben wirklich nicht viel zu fressen, die sollte man schon ein wenig unterstützen.

Nene, ein neues Handy muss schon ran, so geht das nicht weiter. Aber, um mal dem Verein ein Schnippchen zu schlagen: Apple hatte vor langer Zeit mal „anständige“ IPhone’s gedrechselt, die auch nach 5 Jahren Schublade immer noch funktionieren. Ätsch.

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Ich hab schon lange nicht mehr gemeckert. Wird wieder einmal Zeit, dass ich die Welt mit meinen Leiden erbaue. Dinge, für die die Normalsterblichen keine Auge haben – oder Ohr, wie es heute der Fall ist. Ich sehe viel und höre noch mehr. Nur nie das, was ich will, schon gar nicht, was ich soll.

Einen Tag lang schon sind meine Kopfhörer kaputt. Zwei Fahrten mit drittklassigen Ubahnen schon musste ich mir vierschrötiges Geschwafel anhören. Die Menschen in der Bahn sind ja meist genauso gelangweilt wie ich. Aber wenigstens halte ich meine Fresse und laber nicht soviel Dünnschiss. Zumindest nicht in der Bahn.

Aber schlimmer geht ja immer. Jeden Tag die gleiche Quälerei. Alle fünf Sinne werden überstrapaziert. Mindestens einen konnte ich bisher ablenken, meistens zwei. Den Rest kann man schon irgendwie ertragen. Doch wehe, wehe die Kopfhörer sind kaputt. Dann kommt zu dem Geschubse und Angetatsche noch die optische Quälerei, die Parfümerie, in der sich hundert verschiedene Deos in Unmengen in der Luft verteilen, der bittere Geschmack von gutem Stadtsmog auf der Zunge und nun noch das Gelaber. Himmel und Hölle vereint in einer einzigen Ubahn…

Aber was sein muss, muss schließlich sein. Man könnte ja was ändern, doch leider wurde aus der Mittelohrentzündung nichts, also gibt es keinen triftigen Grund, leider, der Arbeit fern zu bleiben. Und nein, ein eigenes Auto verstößt gegen gewisse Prinzipien. Und ja, immerhin ist die tägliche Quälerei in der Bahn ein Stück weit soziale Interaktion mit anderen Menschen. Sie zu ertragen reicht doch schon als Interaktion, oder? Nicht Amok zu laufen als mitmenschliche Geste des guten Willens?

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