Der Canossa-Gang

Beim Canossagang zu den medizinischen Vertretern ihrer Zunft, zu den Eidgenossen des Hippokrates und den meist ebenso menschlichen Menschen wie die all anderen und übrigen auch, da gibt es nur zwei Geschwindigkeiten. Lange und schnell. Es dauert ewig, bis man hingeht, also tierisch lange. Noch länger meist, bis man dann seine Weh’s und Leiden mit geübt schmerzverzerrtem Gesicht vortragen kann. Ein wenig Wehleidigkeit und der ungeübte und desaströse Drück auf die Tränendrüse (weil ausgetrocknet), nein, ich schweife ab.

Bei vielen Menschen braucht es keine Überwindung, um eben jenen Gang anzutreten. Die Nase läuft? Schon sind sie beim Doktor und jammern. Klar, eine ordentliche Männergrippe hat es nun mal in sich. Meinereiner wartet meist, bis es wirklich, quasi und absolut unumgänglich ist. Bauchschmerzen? Ach was, hab ich öfters. Gut, wenn es links unten (oder war es rechts?) dermaßen schmerzt, dass nicht einmal die sonst so schnell gezückten Schmerztabletten helfen, man die Leiter in das Schlafgemach nur mit äußerster Mühe und Not erklimmen kann, um einige Nächte schlaflos zu verbringen – dann kommt doch schon der Gedanke, dass es Zeit wird, die angeborene Abneigung gegen die Schulmedizin abzusteigen. Um danach im Krankenhaus festzustellen, dass der Blinddarm kurz vorm Durchbruch war. Nein, was für eine Überwindung. Was für ein schweres Los, das eigene Schicksal den ärztlichen Vertretern anzuvertrauen, zu denen nicht der Hauch eines Vertrauens besteht. Wie auch – ich vertraue nicht einmal mir selbst.

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Öhrchen ohne Möhrchen

So wurde es auch letztneulich allerhöchste Eisenbahn, dem inneren Selbsterhaltungstrieb doch zu folgen und erneut, nach Jahren der Abstinenz, medizinischen Rat zu suchen. Aber natürlich erst, als die Schmerzen schon ihr erstes einwöchiges Jubiläum feierten, mit allem Pomp und noch mehr Getöse. Getöse ist gut. Denn in diesem Fall waren es die Ohren, die dermaßen verstopft waren, dass selbst Shrek neidisch werden würde, würde er denn existieren. Ich hoffe doch, es kennt jeder die Szene, in der sich der Oger Shrek das Schmalz aus den Ohren zieht, um daraus eine erhellende Tischbeleuchtung in Form einer Kerze zu machen? Shrek wäre wirklich neidisch gewesen. Die Frau Eidgenossin des Hippokrates war es nicht, die durfte in meinen Ohren rumfuhrwerken. Letztendlich war soviel Gerät im Einsatz, dass schon die Befürchtung da war, es würde alles nun im Schädel liegen und der sonstige Inhalt in Form von Grauen Zellen im Ausguss.

Unglaublich, wie tief so ein Gehörgang liegt. Und unglaublich, sollte dieser frei sein – wie klar auf einmal die Geräusche sind. Klar und unerträglich laut. Also doch den gut gemeinten Rat ernst nehmen, sich die Ohren nicht zu waschen – das weltliche Getöse ist doch wirklich arg unangenehm. Jetzt passen die Ohrstöpsel auch wieder, die natürlich prompt den Geist aufgegeben haben. Alle beide Paar. Na Danke. Hätte mal lieber doch Möhren darin anpflanzen sollen, in den Ohren.

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Ein Kommentar zu Der Canossa-Gang

  1. Ist ja bei vielen Männern so. Ich hab auch eine tief verwurzelte Abneigung gegen Arztbesuche, na ja, aber war ja noch zu rechten Zeit in deinem Fall, ja? Na okay, ich hau mich mal aufs Ohr… 😉

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