Die Nachbarn

In der Großstadt lebend ist man vor vielen Dingen nicht sicher, am allerwenigsten vor den Nachbarn. Mal sind sie zu laut, mal zu leise. Mal aufdringlich, mal niemals da und schon gar nicht, wenn man sie braucht. Gut, das ist ja mit allen Menschen so. Keiner hört zu, alle hören weg und doch hört jeder mit und alles.

Das Witzige ist ja, dass man durchaus jahrelang in einer Wohnung lebt und nicht einmal den unmittelbaren Nachbarn kennt. Höchstens erkennt man diesen an den Geräuschen. Ach, der Typ schräg oben brät sich wieder seine Wurst und wieder ist der Herd zu heiß. Der lernt es auch nie. Woher man das weiß? Der gesetzlich vorgeschriebene Rauchmelder tut es kund. Aber was solls. Es gibt Dinge, mit denen hat man sich irgendwie arangiert. Mehr oder weniger zwangsläufig. Klar, man könnte die eine Treppe hochstürmen und ordentlich Rabatz machen – aber dafür ist der innere Schweinehund namens Faulheit zu stark. Die Fernbedienung für die Anlage ist viel leichter zu erreichen, um den gellenden Alarmton zu übertönen. Und bequemer.

Apropos bequem und Nachbarschaft – ja, ich komme dann auch endlich mal auf den Punkt. Nicht ganz so neu ist die bequeme Art, die Nachbarn kennen zulernen. Via Internet natürlich. Ja, es gab mal Zeiten, da klingelte man sich durch das Mehrfamilienhaus, mitunter auch sonntäglich durch die ganze Strasse, um sich den ganzen Kuchen zusammen zu schnorren. Da die Eier, da das Mehl und dort die Milch. Oma Erna hat sowieso die übrigen Zutaten immer vorrätig.

Ganz neu ist allerdings die Masche, zumindest im sonst so kaltherzigen Hamburg, alle Nachbarn in der Umgebung aufzurufen, um sich im nachbarschaftlichen Internet-Portal anzumelden. Kein Witz, das gibts! Wozu im reellen Leben aufeinander treffen, wo man sich eh auf den Keks geht. Dann lieber gepflegte Nachbarschaft von zu Hause aus. Nur wo man jetzt verdammt noch mal Eier und Milch, Mehl und zucker für den Kuchen herbekommen soll, das steht noch in den Sternen.

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