Erwachsene, Beobachtungen und die Kinder

Hab festgestellt, dass, wenn 18 jährige über alte Leute reden, ich damit auch schon gemeint bin. Und die Jugend ebenso grausam ist, wie sie es in meiner Jugend war. Nein, heute ist sie viel grausamer.

Heute wie damals werden Kinder von anderen ausgestoßen und dann geht es los, das Gruppen-Mobbing. Alle auf einen und Feuer frei. Da fragt man sich immer als alter Sack, sollte man dazwischen funken oder die Kinder es unter sich austragen lassen?  Es widerspricht ja völlig dem eigenen Ehrgefühl, wenn man zusieht, wenn eine Gruppe auf ein einzelnes Gör losgeht – ganz unabhängig davon, ob man Kinder mag oder nicht. Wenn man nicht einschreitet, bleibt die Hoffnung, dass der oder zukünftige Verdiener der eigenen Rente „hust“ aus solchen kleinen läppischen Konflikten selbst die Kraft zieht und darüber Herr der Lage wird. Schließlich kann es nicht immer Erwachsene geben, die es beschützen. Die Lehre daraus zu ziehen als Kind und Vertrauen nicht blind zu verteilen, solche mobbenden Gestalten zu meiden, geht leider nicht immer. Wir Menschen können ja nicht anders und verspotten die, die wir nicht verstehen. Nein, ich mutiere jetzt nicht zum Menschenfreund, zum Gutmensch. Aber es ist und bleibt eine sich stets bestätigende Beobachtung.

Andererseits möchte man schon dazwischenfunken und der Gruppe, in der sich solche Gören immer stark fühlen, in die Schranken weisen, einmal so richtig die Leviten lesen. Doch verstehen würden sie es sowieso nicht, weil sie es nicht wollen.

Einen psychologisch interessanten Ansatz lieferte mein Chef, als er neulich die Kollegen, die ständig auf den Fehlern anderer herum gehackt haben, in die Schranken wies mit den Worten: Ihr habt jetzt die ganze Zeit die Fehler der anderen gesehen – und was habt ihr gemacht? Ja, aber… Ihr habt, statt den anderen zu helfen, immer wieder nur auf ihre Fehler hingewiesen. Sie immer wieder angeschwärzt – so arbeitet kein Team. Betretenes Schweigen. Ein Anflug von Verstehen? Denkste. Keine fünf Minuten ging das Spiel von vorne los, weil sie sich auf den Schlips getreten fühlten.

Nein, wir sind noch lange nicht erwachsen. Nicht mit zwanzig Jahren, nicht mit dreißig und auch nicht mit sechzig. Alt vielleicht, doch gewiss nicht klüger. Die Spiele aus der Kinderzeit gehen einfach weiter, nur in anderer Form. Also bleibt als einziger Ausweg doch nur: einschreiten?

„Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich auch endlich Taten sehn;
Indes ihr Komplimente drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.“
(Goethe; Faust)

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