Gespräche oder Schweigen

Wenn man sich selbst nichts mehr zu sagen hat, dann ist es wirklich soweit, um über den Canossa-Gang in die Klappse nachzudenken…

Beim ersten Blick in die Glasscheibe des Porzellangeschäfts der eigenen Wohnung. Der Typ dahinter schweigt sich aus. Keines der sonst üblichen morgendlichen Gesprächs-rituale wie „… du siehst heute wieder besonders scheiße aus…„. Oder „Bringst du mir endlich meinen Kaffee?„. Nein, tiefes Schweigen im baumlosen Walde. Möglich, dass ich ein wenig auf mich sauer bin und deshalb nicht mit mir rede. Aber ich mir selbst habe nichts mehr zu sagen? Verdammt. Und nein, das ist kein Grund für einen Kuraufenthalt bei den Seelen-Quaksalbern. Man stelle sich nur vor, ich gehe da hin mit einer quasi Selbsteinweisung und sage zum Chefidioten: „Ich muss mich einweisen, ich rede nicht mehr mit mir. Keine Stimmen im Kopf, nichts!“ Der erklärt mich doch quasi für normal und schickt mich unter Menschen. So geht das nicht weiter. Ich darf mich nicht weiter anschweigen.

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An anderen Stellen wäre ein Schweigen aber durchaus mal angebracht. Wenn „rein zufällig“ ausgewählte Stichwörter fallen bei einem neudeutsch Meeting mit dem Überchef. Da kommt durchaus das Bild im Kopf, die Person, der die Worte aus dem Mund gefallen sind, den Hals ein wenig zu strangulieren. Mit oder ohne Werkzeug, egal. Wozu hat man Hände?

Schließlich war so ein Fall ein Grund gewesen, vor Jahren, für eine Abmahnung. Wenn die lieben Kollegen den Chef bei seinem Chef anschwärzen. Nicht das so eine einzige Abmahnung sonderlich interessant wäre, noch ein Grund für tiefstes Selbstmitleid. Im Gegenteil: „Endlich hab ich auch mal eine. Juhuu!

Aber manches Mal sind es Dinge, die müssen einfach nicht sein. Also, Fresse halten. Merk dir das. Rede lieber mit dir selbst.

Wenn man nicht nur redet, sondern auch was sagt, vergeht die Zeit zu schnell. (Dr. Gregor Gysi im Bundestag auf den Hinweis, seine Redezeit wäre überschritten)

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2 Kommentare zu Gespräche oder Schweigen

  1. H.B. sagt:

    Ja – so einige Sprüche fallen mir ein, die hierzu passen. Zuerst Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“ oder (Autor mir unbekannt): „Wenn Sie in sich gehen und niemanden antreffen, sollten Sie nicht erschrecken.“ „Schmiede das Eisen wie dich selbst!“
    Aber Ernst, komm her: Manchmal mag man sich selbst halt am wenigsten von allen Zeitgenossen – und wenn man der einzig zur Zeit verfügbare ist, schmerzt das doppelt. In solchen Senkungsphasen erzähle ich mir dann einen Witz, den ich noch nicht kannte.
    Ein frohes Weihnachtsfest wünsche ich Dir und ein 2016 mit möglichst wenigen Schlaglöchern!

    Hein

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