Gäste, Reste und Pack

Gäste zu verköstigen ist gar nicht mehr so einfach wie es einmal war. Will man wirklich auf alle Bedürfnisse eingehen, sollte das eigene Vorratslager erst einmal überfüllt werden. Da geht es los mit dem koffeinfreien Kaffee und dem alkoholfreien Bier. Dann noch zuckerfreien Zucker und lactosefreie Milch. Dann noch das fleischlose Steak und den Salat aus Steaks. Das Ganze natürlich noch in sämtlichen Geschmacksvariationen wie asiatisch, europäisch, afrikanisch und amerikanisch. Ständig neu aufgefüllt und auf dem aktuellsten Stand der Technik gebracht.

Nur der Morgenschiss –
der ist dir gewiss!

Es muss ja nicht immer so einfache Gäste wie mich geben, die sich mit dem zufrieden geben, was auf den Tisch kommt, was die Speisekammer hergibt. Die sich ohne Allüren an den Tisch setzen und dem Gastgeber wegfressen, was da ist. Hauptsache, der Magen wird gefüllt und der Gastgeber geschädigt. Das ist doch die einzige, wahre und vernünftige Philosophie.

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Wer nur um Gewinn kämpft, erntet nichts,
wofür es sich lohnt zu leben.
(Antoine de Saint-Exupery)

Es gab einmal eine Zeit, anno dazumal, in der wir durch die Weltgeschichte gereist sind und uns an dem erfreut haben, was die Gastgeber dort aufgetischt hatten. In Italien die Nudeln – heute aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken. Dafür haben sich die Italiener gefreut, bei uns den fetten Schweinebraten zu bekommen. Und heute? Heute fährt man ins Ausland, um in einem deutschen Restaurant ein Wiener Schnitzel zu fressen  – mit Pommes selbstverständlich. Oder den – Vegetarier, verschließt die Augen – fetten Schweinebraten mit Knödeln. Mal ehrlich, wenn man ins Ausland fährt, freut man sich doch eigentlich auf die Künste derer, die dort wohnen, oder?

Die Zeiten sind zur Zeit sowieso komplett verdreht, gängige Maßstäbe gelten eh nicht mehr. Wer zu mir kommt, muss mit dem leben, was es bei mir gibt oder es sein lassen. Der Rest braucht gar nicht erst kommen – wäre mir eh lieber. Ich teile gern das wenige, was ich habe und mehr habe ich dann nicht. Punktum.

Ich sollte vielleicht mal eine neue Regel einführen. Wer als Gast zu mir kommt und sich an meinem Met labt, hat gefälligst Honig mitzubringen. Von denen mal abgesehen, die mir andere Zutaten dafür besorgen. Schließlich ist das Zeug schweineteuer…

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Ein Kommentar zu Gäste, Reste und Pack

  1. H.B. sagt:

    Sehr schön. Fehlt eigentlich nur ein Hinweis auf die Wohlstands-Dekadenz, die da heißt „Veganismus“.
    Mit freundlichem Gruß,
    H.B.

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