Der Wahnsinn hat Methode

Nein, ich lasse mir das Wochenende nicht verderben. Nicht von der nächsten Krankschreibung, die mich Freitag nach Feierabend erreicht hat. Ne, ne ne …  Auch wenn damit die  nächste Woche wieder absolut undurchscheinbar wird. Aber wer will schon einen langweiligen, stets funktionierenden Ablauf. Das wäre nun wirklich zuviel des Guten.

Vor dem 1. Kaffee …

Ich stratze mit dem Kissen im Gesicht und der Nutte auf dem Rücken durch die Wohnung. Orientierungssinn gleich null. Ergo biege ich auf dem Weg in das Keramikzimmer falsch ab und lande im Hausflur. zum Glück ist der Irrtum schnell bemerkt und in der Hoffnung, das richtige Becken erwischt zu haben, lande ich dank dem Spürsinn nach Kaffee in der Küche. Die Kaffeemaschine sagt hallo, das Wasser sprudelt nur so in den Becher. Ähm, Wasser? Achja, da war noch irgendwas mit Pad einlegen vor dem Knopf drücken …

Vor dem 2. Kaffee …

Ist die Laune irgendwie am Boden. Man denkt über den vergangenen Feierabend nach, obwohl man eigentlich alles verdrängen will. Der Zigarettenfilter verbrennt ohne Tabak wunderbar an der Schnauze. Das verlangt nach einem Koffeinschub. Auf dem Weg zur Kaffeemaschine fange ich noch eine Diskussion mit der Tür an, die sich weigert, aufzugehen und mich durchzulassen. Holzkopf sei dank, ist der Weg schnell durchbrochen.

Vor dem 3. Kaffee …

Ich bin wach genug, um normale Dinge auf normale Weise zu erledigen. Welch ein Fortschritt. Glaube ich zumindest. Denn wie ich feststellen muss, sind Katzenhaare statt Tabak in der Zigarette nicht ganz optimal. Aber nach Der Aktion mit dem anbrüllen der Keramikschüssel und dem nächsten Kaffee …

Vor dem 4. Kaffee …

Bin ich zumindest wieder in der Lage, halbwegs klar zu denken. Ich rege mich über Nichtigkeiten auf und komme zu der Erkenntnis, dass das Niveau der Bild-Leser gar nicht so übel ist. Einfach dumm vor sich hin zu leben hat durchaus was für sich. Man macht sich weniger Sorgen und und braucht kein komplizierten Dinge zu verstehen. Facebook-Spiele haben in diesem Stadium durchaus ihren Reiz.

Vor dem 5. Kaffee …

Der Horizont erweitert sich. Ich stelle fest, dass noch mehr Kaffee nötig ist, um dem BILD-Leser-Niveau zu entkommen. Doch zumindest bin ich bereits in der Lage, einen solchen Blödsinn wie hier zu verzapfen. Doch ich will mehr, ich strebe nach höherem. Ich verfasse einen Aufsatz über die Natur des Menschen in seinen verschiedenen Stadien der Geschichte und komme zu der Erkenntnis, dass die Menschheit an sich überflüssig ist und Gott sich geirrt hat mit der Krone der Schöpfung.

Vor dem 6. Kaffee …

Schnell lasse ich mich von den Lexika unterhalten, die ich im Besitz habe. Aber irgendwie vergeht die Zeit nicht beim schnellstmöglichen Durchblättern. Also werden die Online-Lexika ebenso durchforstet. Nebenbei schreibe ich einen Aufsatz über das tagespolitische Geschehen und gebe der politischen Elite Tipps und Hinweise, wie Krise zu meistern ist.

Vor dem 7. Kaffee …

Ich erledige die MENSA – Aufgaben im Handumdrehen, komplett und alle natürlich richtig. Wie langweilig. Gleichzeitig und nebenbei widerlege ich Einsteins Relativitätstheorie und errechne, wie Überlichtgeschwindigkeit möglich sein kann. Gelangweilt fange ich an eine Zeitmaschine zu bauen und schicke schnell der NASA für die Antriebe die Pläne.

Nach dem 7. Kaffee …

Ich setze mich in die Zeitmaschine und düse in die Vergangenheit zum Urknall. Die Show muss man gesehen haben. Das wäre der absolute Triumph über Gott. Doch dabei, bei all dem Wissen, das ich habe, vergesse ich die simple Tatsache, dass ich vor dem Urknall selbst in einer Zeitmaschine gar nicht existieren kann. Plöppp …

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Gäääähn. Ja, verdammt, ich bin ja schon wach – was für ein verrückter Traum. Zu schön um wahr zu sein. Nein, ich bleibe hier – trotz Kaffee – in meinem mittelmäßigen Leben, gefangen weiterhin in der höheren Mittelmäßigkeit. Hallo Welt, ich bin da. Wieso ist aber nur der Kaffee so dünn? Achja, das Pad, verdammt ….

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