Warum auf dem Friedhof rum trabsen?

Pilzääää

Pilzääää

Na bestimmt nicht wegen dem Wetter. Das war zu der Zeit nämlich noch gut. Eher wegen den Hummeln im Hintern, die nach 2 wöchiger Arbeits-Abstinenz nun langsam immer verrücktere Kreise ziehen. Und ganz bestimmt nicht wegen dem Menschengedöns – dem versucht man damit auszuweichen, davon habe ich heute noch genug, wenn ich nachher gleich meinem Hausarzt die Aufwartung mache und freudestrahlend die Briefe aus dem Krankenhaus überreiche. Schließlich soll der nach seinem Urlaub auch mal was zu tun haben. Also, warum trabsen Grufties über den Totenacker? Zum einen wegen der Ruhe. Raus  ja, aber dann bitte ohne Tamtam. Ganz gewiss auch nicht wegen dem dort rum lungernden Friedhofsgemüse, dass es anscheinend nicht abwarten kann, selbst dort zu liegen und schon mal sämtliche in Frage kommenden Ecken inspiziert. Mit dem Zwiegespräch murmelnd auf den Lippen, bald, mein Liebster, sind wir wieder zusammen in der Erde. Vermodernde Knochen oder Asche in einem Blechgefäß. Hauptsache zusammen liegen.

Wegen der Natur? Schon eher. Man mag es kaum glauben, aber Friedhöfe bieten für die Ernährung eine abwechslungsreiche Palette. Von Pilzen über Nüsse in Form von Bucheckern bis hin zu Maronen – jeder Vegetarier müsste dort Freudensprünge machen. Dass das Zeug dort so gut wächst mag wohl am ausgezeichneten Dünger liegen?

Engel

Engel

Es gibt wohl in den Großstädten kaum einen Ort, der mehr Ruhe, Natur und den Kreislauf des Lebens symbolisiert wie ein Friedhof. Werden und Vergehen, eng beieinander. Aber eines ist gewiss, selbst im Tode sind nicht alle Menschen gleich. Manche sind eben gleicher. Gut, tot sind sie alle. Vermodern und verfaulen – nach dem Gesetz der Natur, eben alles nach dem Tode dem beginnenden Leben zurück zu geben – auch da sind alle gleich. Nur in der Größe und Aufmachung der letzten Ruhestätte, da erkennt man, wie wichtig derjenige mal war. Als ob das nach dem Ableben noch wichtig wäre. Letztlich sind wir nach dem Tode doch alle gleich. Asche zu Asche, Staub zu Staub – und geben der Natur einen Teil zurück, den wir so maßlos genommen haben.

Es ist der Hang zur Morbidität, der uns immer wieder zu den Resten unserer Ahnen kommen lässt. Dort, wo ihre Gebeine liegen oder lagen. Dort, wo das Ende immer wieder in den Anfang übergeht.

Pietätlos? Keineswegs. Man hat Respekt vor den Menschen, noch mehr vor deren Taten, sofern es „gute“ Taten waren. Respekt hat man nur nicht – vor dem Tod. Der holt jeden, ob er will oder nicht. Respekt vor einem Haufen Zweige, aufgeschichtet und um einen toll bearbeiteten Stein geschichtet? Wozu? Soll ich dem Stein huldigen? Oder dem, der mal darunter lag oder liegt? Respekt vor dem, was er (der Mensch) im Leben getan hat, das schon eher. Die letzte Ruhestätte ist eine Farce. So möchte ich bitte meine letzte Ruhestätte haben: Entweder irgendwo im Wald verschart oder mit Steinen an den Füßen ins Meer geworfen. Auf keinen Fall auf einem Totenacker zu liegen.

Zumindest hat der zweistündige Spaziergang wieder für eine Weile den inneren Seelenfrieden hergestellt. Und die Bedeutung von Leben und Tod wieder ins Gedächtnis geholt, für eine Weile …

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