Lass doch mal die Alten ackern

Auch wenn ich normalerweise bösartig, mies und hinterhältig bin, bei gewissen Dingen habe ich mir noch die restliche Portion Anstand gewahrt, die mich von einem Raubtier unterscheiden sollen. Dazu gehört unter anderem auch, für älteren Damen des anderen Geschlechts die schweren Arbeiten abzunehmen. Nun einmal das Gegenteil zu erleben, ist dann doch schon persönlich eine Art Kulturschock ohnegleichen. Und Mütter können nun mal bei einem Krankenbesuch sehr bestimmend sein: Lass das liegen, ich mach das. Du sollst nicht so schwer heben. Geh die Tür aufschließen, ich trage das. Und so weiter, und so weiter, und so weiter …

Auch wenn ich mich gern wie ein Halbtoter benehme und etwas lauter leide, wenn es was zu leiden gibt – diesen Punkt hab ich bisher noch nie erleben müssen/dürfen. Als Mann der Tat die armen, alten Damen meine Einkäufe tragen lassen (zu müssen), selbst im momentanen Zustand des Leidens, grenzt schon fast an Selbstaufgabe. Und der klägliche, halbherzige Protest meinerseits verhallte ungehört. Du sollst dich schonen! So die verbale Keule, die mich dann zum Schweigen bringen soll und es auch tut. Und in dem Moment kommt mir meine Aussage in den Denkapparat, die ich gern auf Arbeit tätige: Altes Fleisch muss zu zuerst verbraucht werden (in Hinsicht auf meine alten Kolleginnen) – als Mahnung an die Prinzipien, die nun erst einmal auf Eis liegen.

Was mich nicht umbringt, macht mich härter. Und sobald die beiden Damen meine unheiligen Hallen verlassen haben, geht das Geschleppe sowieso alleine weiter. Langsam, aber alleine. Schließlich bin ich es gewohnt, mit jeder Situation mehr oder weniger alleine fertig zu werden. Hilfe hole ich mir schon, wenn ich der Meinung bin, dass ich sie brauche. Doch langsam reicht es mir, wie das personifizierte Leiden bevormundet zu werden, auch wenn es mein amtlicher Vormund damals war.

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Die Kaiserin der verlorenen Haare

Die Kaiserin der verlorenen Haare

Nutte freut sich natürlich. Nicht nur, dass sie nun ganztägig entertaint wird – rund um die Uhr jemand da ist für die Königin der verlorenen Haare. Nein, nun gibt es auch von mehreren Seiten Katzen-Wellness pur. Fellmassagen, Entertainment, Extra-Leckerli-Portionen – ganz so, wie es sich eine Königin wünscht. Sie ist mehr oder weniger die Einzige, die von meinem (un)freiwilligem Hausarrest profitiert. Mehr freiwillig. Muss ja mal erwähnt werden. Schließlich war es ein Wunsch, der in Erfüllung ging… Wenn auch ungewollt.

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