Sperantes, somniatis

– Vertrauen ist die eine menschliche Eigenschaft, die so leicht und und gern mißbraucht wird. Und ist damit das Vertrauen verschwunden, dauert es Ewigkeiten, bis so etwas neu aufgebaut werden kann. Es ist ein Geschenk, von mir an den Nächsten. Wirf es nicht leichtfertig weg. Dafür ist es zu kostbar.

Nein, der nächtlich erarbeitete Knoten in den Fingern musss erstmal aufgedröselt werden, um Worte aus dem Denkapparat, der eh noch rebooten muss, zu holen, sortieren und durch geschickte Bewegungen in einer Gleichmäßigkeit des Klapperns in das WWW zu bannen.
Und wie jeden Morgen wird dieses Spiel nur durch den kurzfristigen Marsch auf den Balkon unterbrochen, bei dem der morgendlichen Sucht gefröhnt wird und der Welt durch Drohung der geballten Faust und dem dann folgenden Erhebens des mittleren Fingers zu zeigen, was man von ihr hält. Gelegentlich schaffen das auch beide mittlere Finger, je nach Lust und Laune. Hilft auch ungemein dabei, den bereits angesprochenen Knoten zu lösen.

Und dann ist der Wahnsinn eingetreten, dass die Träume wiederkehren. Jahrelang, Jahrzehnte war mein Leben traumlos – und ja, ich rede von dem Zeug, dessen Erinnnerungsfetzen uns nach dem Aufwachen heimsuchen. Verdammt, wie konnte das geschehen. Ist der Dreamcatcher (< Traumfänger) kaputt? Nein, der hängt noch da, wo er auch sonst dieses Gespinst, das einem im Schlaf heimsucht, filtert und abbfängt. Oder ist es nun Nutte, die jetzt dafür Traumlos durch den Schlaf wandert?

Man weiss es nicht, Nutte könnte es mir sagen, doch sie schweigt. Beharrlich. Nur auf dem Weg in den Raum, der für andere Mahlzeiten hervorbringt und mir nur das morgendliche Elixier bereithält, dass für den nötigen Schwung sorgen soll – nur dort bricht sie ihr Schweigen und teilt mir lautstark mit, was sie von dem leeren Napf hält. Ihr Traum ist es, einen sich selbst stets füllenden Napf zu haben. Nun, immerhin wird die Illusion durch mein Eingreifen zweimal täglich zumindest etwas aufrechterhalten.

Mich dünkt der Traum eine Schutzwehr gegen die Regelmäßigkeit und Gewöhnlichkeit des Lebens, eine freie Erholung der gebundenen Phantasie wo sie … die beständige Ernsthaftigkeit des erwachsenen Menschen durch ein fröhliches Kinderspiel unterbricht. Ohne die Träume würden wir gewiß früher alt.
(Novalis (1772 – 1801), eigentlich Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg, deutscher Lyriker)

Tag 12 von 20 – Zu lange schon!

16/10
16/13

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